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Der Film

Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Welten: die Hamburger Künstlerin Sophie reist nach Taiwan, um den plötzlichen, ungeklärten Tod ihrer Geliebten Ai-ling zu verarbeiten. In Taipeh heftet sich eine Journalistin an ihre Fersen, die von Ai-lings Schicksal besessen scheint. Gleichzeitig setzt die geheimnisvolle Fremde alles daran, Sophie zu verführen...

Die schüchterne Ai-ling (Huan-Ru Ke) muss ihre ganze Überzeugungskraft aufbringen, um von ihrer Mutter (Yi-Ching Lu) die Erlaubnis für ihre Reise nach Deutschland zu erhalten. Die junge Taiwanerin will bei ihrem Onkel Chen Fu (Jack Kao) in Hamburg mehr über ihren Vater in Erfahrung bringen, der früh starb. Arbeit findet sie im Restaurant ihres Onkels und Unterkunft bei der Familie von Patrick (Kevin Chen), der wie sein Vater (Chian-Tze Liu) für Chen Fu arbeitet.

Fünf Monate später: die Künstlerin Sophie Schmitt (Inga Busch) ist nach Taiwan gekommen, um ihre neue Arbeit »Remembrance« zu präsentieren. Sie hat die Videoinstallation ihrer Geliebten Ai-ling gewidmet, die unter ungeklärten Umständen in Hamburg ums Leben kam. Während der Eröffnung fällt ihr die ebenso schöne wie selbstbewusste Mei-li (Ting-Ting Hu) auf.

Die Besucherin heftet sich an Sophies Fersen und überredet sie schließlich zu einer Tour durch Taipeh, die auf einem der Nachtmärkte endet. Mei-li interessiert sich auffällig für das Schicksal von Ai-ling. Sophie erinnert sich an ihr erstes Treffen: kurz vor Beginn der Vorführung eines taiwanesischen Films wird Patrick ins Restaurant zurückbeordert. Sophie überredet Ai-ling zu bleiben. Der unschuldige Charme der jungen Taiwanerin verzaubert die Fotografin. Als die Nörgeleien von Patricks Mutter (Yi-Ching Lu) unerträglich werden, zieht Ai-ling kurzerhand zu ihrer neuen Freundin.

Zurück auf dem Nachtmarkt in Taipeh schreckt Sophie durch die Liebkosungen von Mei-li aus dem Schlaf. Verstört wehrt sie sie ab — ihre Trauer um Ai-ling ist zu groß. Am nächsten Tag findet Mei-li nur noch ein paar Kisten in Sophies Taipeh-Appartement mit Fotos auf denen Sophie und Ai-ling glücklich strahlen...

In den Hamburger Alltag der Verliebten schleichen sich erste Misstöne. Ai-ling genießt es häuslich zu sein und jede Minute mit Sophie zu verbringen. Viel zuviel Nähe findet Sophie, die nach einer schweren Erkrankung endlich wieder Kraft gefunden hat, um an einem neuen Projekt zu arbeiten. Sie findet es befremdlich, dass ihre Freundin jeden Tag mit der Mutter in Taiwan telefoniert.

Als Sophie entdeckt, dass Ai-ling einen illegalen Vaterschaftstest machen lassen will, weil sie vermutet, dass Chen Fu ihr Vater ist, kommt es zum ersten Streit. Kurz darauf vergisst Sophie auch noch einen geplanten Ausflug und fährt stattdessen mit der Internetkünstlerin Judy (Nai Wen Chang) nach Berlin. Ai-ling fühlt sich zurückgestoßen und ist eifersüchtig. Sie schüttet ihrem Nachbarn Leon (Marek Harloff) ihr Herz aus und geht danach alleine aus. In einer Bar flirtet sie mit der Rechtsanwältin Katrin Bendersen (Jana Schulz)...

In Taipeh berichtet Mei-li ihrem Freund, dass ihr Artikel über Sophie Schmitt so gut angekommen ist, dass sie mehr schreiben soll. Kurz darauf steht sie vor Sophies Loft in Hamburg, trifft dort aber nur Leon an. Sophie nutzt die Wohnung seit Ai-lings Tod nicht mehr. Die Künstlerin ist zwar wenig begeistert, Mei-li so schnell wiederzusehen. Ihre charmante Hartnäckigkeit und ihr ernsthaftes Interesse an Ai-ling zerstreuen schließlich Sophies Vorbehalte. Sie empfindet Zuneigung für die junge Taiwanerin, kann und will aber Ai-ling nicht vergessen.

Doch Mei-li missbraucht ihr Vertrauen und durchsucht heimlich das Loft. Dabei wird sie von Leon überrascht, der sofort Sophie informiert. Misstrauisch geworden, gibt Sophie Nachforschungen in Auftrag und muss feststellen, dass niemand unter dem Namen Mei-li Wang nach Deutschland eingereist ist oder für die Taipeh News arbeitet. Wer ist die schöne Fremde, die sich in ihr Leben geschlichen hat?

Der chinesische Geistermonat

Der siebte Monat des Mondkalenders wird in Taiwan als der »Geistermonat« bezeichnet, denn dann öffnen sich auf Taiwan die Tore zur Unterwelt. Viele Vorsichtsmaßnahmen sind zu ergreifen und Ver- und Gebote sind in diesem Monat zu beachten, zahlreiche Feste werden gefeiert, Banketts abgehalten und Rituale befolgt, um die vermeintlich bösen Geister der Toten abzuwehren oder sie zu beschwichtigen, die laut dem Volksglauben in dieser Zeit auf der Erde herum wandern.

Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das Geisterfest in der 14. Nacht des Geistermonats. Die genauen Wurzeln des Geistermonats sind nicht bekannt, doch er ist eng verbunden mit dem Glauben der Han-Chinesen an das Leben nach dem Tod und die Ahnenverehrung. In allen Tempeln des Landes werden unzählige Tonnen »Totengeld« aus Papier verbrannt. Gemäß der taoistischen und buddhistischen Überlieferung besänftigen diese Opfergaben die Toten, die Lebenden werden wiederum mit Glück, Segen und Zufriedenheit belohnt. Diese traditionellen Bräuche werden auf Taiwan nicht nur von den älteren Generationen gepflegt, sondern auch die Jugend hält daran fest und feiert mit. So werden die jahrhundertealten Bräuche des Geistermonats bewahrt und weitergegeben.